
40’000 Kroatinnen und Kroaten demonstrierten am 5. September in Zagreb gegen dem Umgang mit illegalen Müllimporten. ©
Kroatien: Müllskandal treibt Zehntausende auf die Strasse
Die Lastwagen kamen nachts. Auf einem aufgegebenen Industriegelände hätten sie ihre Fracht abgeladen, berichtet Željka Šikić, die gegenüber wohnt. Jahrelang brachten sie Abfälle in die kleine kroatische Stadt Gospić. Die Anwohnerinnen und Anwohner wechselten sich ab und fotografierten die Fahrzeuge.
«Das sollte nicht mein Job sein», sagt Šikić gegenüber dem «Guardian». Behörden und Polizei reagierten lange nicht, dann nahmen sie mehrere Personen fest. Der giftige Müll aber ist immer noch da. Die Menschen in Gospić wollen das nicht hinnehmen.
Šikić würde gerne wegziehen, doch: «Wer kauft schon ein Haus neben einer illegalen Mülldeponie?» Stattdessen entschloss sie sich, gegen die illegalen Müllberge vorzugehen. Am Ende standen Zehntausende in der Hauptstadt Zagreb und forderten die Regierung auf, zu handeln.
Schmutziges Geschäft mit illegalem Abfall
Gospić hat rund 11’000 Einwohnerinnen und Einwohner und liegt etwa 25 Kilometer landeinwärts an der kroatischen Adriaküste in der Lika. So heisst die strukturschwache, dünn besiedelte Gegend zwischen zwei Gebirgszügen und der kroatischen Küste. Zwischen 2022 und 2024 wurden hier an mehreren Stellen insgesamt zehntausende Tonnen illegaler Abfall abgeladen. Kriminelle Organisationen hatten ihn aus Italien, Slowenien und Deutschland herangeschafft, stellte Europol später fest.
Die Ermittler beschreiben eine eingespielte Organisation. Das Syndikat importierte zerkleinerten Kunststoff und gemischte Industrieabfälle aus Slowenien, Italien und Deutschland. Es vermischte sie mit medizinischen Abfällen und Elektroschrott aus Kroatien. Auf dem früheren Industriegelände wurde das Material vergraben oder ungeschützt abgestellt. Am 13. Februar 2025 nahmen die Behörden mit Unterstützung von Europol 13 Personen fest. Hauptverdächtig sind ein kroatischer Geschäftsmann und seine Frau. Die Ermittlungen dauern an.
Um nicht bei einer Kontrolle aufzufliegen, sollen die Verdächtigen ranghohe Beamte mit einer halben Million Euro bestochen haben. Ein lokaler Beamter stellte für das verlassene Gelände falsche Genehmigungen aus. Auch Dokumente wurden mutmasslich gefälscht: Sie deklarierten Plastikabfall als recyclingfähig. Der Gewinn der beiden Hauptverdächtigen liegt laut Europol bei rund vier Millionen Euro.
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